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Mark
Anmeldedatum: 08.08.2007 Beiträge: 491
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Verfasst am: Mo 13 Aug, 2007 08:21 Titel: Die Leiden des Marco W. |
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Die Leiden des Marco W.
Es ist vieles falsch gelaufen, und vieles läuft immer noch falsch. Marco W. bleibt in Haft.
Das ist die neueste Entwicklung, und sie erscheint besonders fatal. Denn inzwischen deutet alles darauf hin, dass der 17-jährige junge Mann keinesfalls ein gewalttätiger Sittenstrolch, schon gar kein Vergewaltiger ist. Die Zärtlichkeiten, die er mit seiner britischen Ferienbekanntschaft ausgetauscht hat, kamen ganz offenbar in gegenseitigem Einvernehmen zustande; also so, wie es der Beschuldigte seit Monaten beteuert. Dass er sich damit gleichwohl strafbar gemacht hat, soll nicht in Abrede gestellt werden. Seine Partnerin war erst 13 Jahre alt, mithin minderjährig. Auch in Deutschland würde so etwas schnell zum Fallstrick.
Dennoch ist Mitleid angebracht mit dem vorgeblichen Täter und nicht so sehr mit dem angeblichen Opfer, das gemeinsam mit seiner Mutter nach England entschwand, kaum dass die türkische Staatsanwaltschaft mittels Anzeige in Marsch gesetzt worden war. Marco W. hat bis auf weiteres keine Chance, das türkische Gericht zur Milde zu bewegen. Zur Staatsaffäre ist sein Fall längst angewachsen, die große Politik mischt sich ein – und wie immer, wenn es erst mal so weit ist, sind Richtern und Anwälten die Hände gebunden. Wie wohlmeinend die türkische Kammer ist, wissen wir nicht. Aber wir dürfen den Verantwortlichen einige Erfahrungen unterstellen. Dass sie über einen Angeklagten befinden, der eher nach Hause als ins Gefängnis gehört, wissen sie vermutlich auch.
Doch gibt es Hürden, über die sie sich scheinbar nicht hinwegsetzen können. Eine letzte Gelegenheit, dem Spuk ein Ende zu machen, bot die jüngste Gerichtverhandlung, als Marco W. von einem ärztlichen Gutachter weithin entlastet wurde. Dessen Untersuchungsergebnisse bestätigen Marcos Aussagen und widersprachen den Behauptungen der Kläger. Angesichts des Umstands, dass der 17-Jährige bereits vier Monate in einem Männergefängnis festgehalten wurde, wäre eine Haftprüfung geboten gewesen. Welche Strafe, wenn es denn eine gibt, hätte der Angeklagte nach derzeigtigem Stand der Dinge wohl zu erwarten? Jedes Urteil, das nicht zur Bewährung ausgesetzt würde, käme einem Unrechtsurteil gleich. Das Gericht hätte dies in Rechnung stellen müssen. Dennoch handelte es nicht.
Warum nicht?
Weil im Hindergrund andere die Fäden ziehen. Wir erleben hier eine stumme Antwort des türkischen Staates auf jene ersten Rempeleien aus Berlin, mit denen die Bundesregierung einen Stopp der Ermittlungen erzwingen wollte. So etwas ist niemals gut, schon gar nicht, wenn man den Adressaten seines Protestes bei jeder Gelegenheit auf europäische Rechtsstaatsprinzipien festnageln versucht. Jetzt lässt man in Ankara kalten Herzens dem geschriebenen Recht seinen lauf. Gegenüber Großbritannien wurde ein Rechthilfeersuchen in Gang gesetzt, man braucht die Aussagen der Kläger. Wer mit der Natur solcher Verfahren vertraut ist, kennt den Zeitaufwand, der damit verbunden ist. Würde das bis zum Ende durchgezogen, müsste Marco noch lange in der Zelle ausharren.
Der Türkei sollte irgendwann klar sein, dass man dieses Spielchen nicht überdrehen kann. Jede Rechtsvorschrift ist auslegbar, und wer juristische Grundsätze aus durchsichtigen Gründen zu ehernem Recht umzudeuten versucht, geht in Wahheit mit Willkür zu Werke. Marco könnte längst frei sein. Es wird Zeit, dass wieder die Justiz entscheidet und sich die Politik wichtigeren Dingen zuwendet.
Meinungsäußerung von Bernd Stadelmann im Schwarzwälder Bote, Tageszeitung für Baden-Württemberg vom Montag, 13. August 2007 |
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Marita
Anmeldedatum: 11.08.2007 Beiträge: 628 Wohnort: NRW/Duisburg
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Verfasst am: Mo 13 Aug, 2007 13:55 Titel: |
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Spitzenbeitrag! Danke  |
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thomas1966
Anmeldedatum: 10.08.2007 Beiträge: 696 Wohnort: Leipzig
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Verfasst am: Mo 13 Aug, 2007 15:11 Titel: |
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Ich bin auch der Meinung, dass die Einmischung der Politiker (vor allem Herr Kauder von der CSU) mit zu dieser fatalen Entwicklung beigetragen hat. Man sollte allerdings auch im Auge behalten, dass es erst nach diesem Aufschrei der deutschen Politiker Hafterleichterungen für Marco gab. Meines Wissen dürfen seine Eltern ihn einmal im Monat richtig für 2 Stunden besuchen und ihren Sohn auch mal in den Arm nehmen. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde ihm ja auch seine Creme gegen Neurodermitis verweigert. _________________ „Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.“ |
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Mel240
Anmeldedatum: 08.08.2007 Beiträge: 102
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Verfasst am: Mo 13 Aug, 2007 15:27 Titel: Widersprüche |
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Man weiß einfach zu wenig, um sich einen Überblick verschaffen zu können. Es hieß ja auch, dass das auswärtige Amt in engem Kontakt zu Marco steht und jede Woche einer von denen ins Gefängnis geht.
Aber andererseits sagen die Eltern, dass sie ihn nur 10 Minuten pro Woche durch die Scheibe sehen dürfen. _________________ Freunde sind wie Sterne. Du kannst sie nicht immer sehen, aber sie sind immer da.
Herzlich Willkommen, Marco! |
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